Presse & Medien

Ein Fall für die Öffentlichkeit

500.000 Berliner Wohnungen. Ein landeseigenes Unternehmen. Drei Jahrzehnte Schweigen. — Alle Materialien für die Berichterstattung: quellenbasiert, belegt und frei verwendbar mit Quellenangabe.

Erwähnt in

Dieser Fall und verwandte Asbest-Vorgänge in Berliner Mietwohnungen wurden in folgenden Medien aufgegriffen.

TV · ARD / rbb

Kontraste: Asbestgefahr — Wie Mieter alleingelassen werden

16. Januar 2020

Das ARD-Politmagazin Kontraste berichtete über einen degewo-Mieter, der 2012 mit Erlaubnis des Vermieters renovierte — und erst 2018 erfuhr, dass er dabei Asbest freigesetzt hatte. Der degewo-Pressesprecher empfahl im Interview: „Bohr keine Löcher, dann kannst du da gut drin wohnen."

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Zeitung · Berliner Zeitung

Schlangenbader Straße: Degewo saniert asbestverseuchte Wohnungen

5. März 2018

Bericht über die Asbestbelastung in 470 degewo-Wohnungen an der Schlangenbader Straße in Wilmersdorf — dem bislang größten dokumentierten Einzelprojekt der laufenden Sanierung.

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Zeitung · Berliner Zeitung

Schlangenbader Straße: Mieter müssen auf Sanierung warten

2022

Trotz bekannter Asbestbelastung: Umfassende Sanierung der Schlangenbader Straße startete frühestens 2025. Alle 1.548 Wohnungen der Hochhausbebauung sind betroffen.

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Zeitung · Tagesspiegel

Asbest in vielen Wohnungen

26. April 2024

Bericht über mehr als 5.300 asbestverdächtige Mietwohnungen in Charlottenburg-Wilmersdorf — darunter alle 1.548 Einheiten der degewo-Anlage Schlangenbader Straße.

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Der Berliner Asbest-Skandal in Kürze

In Berlin sind bis zu 500.000 Wohnungen mit Asbest belastet — Schätzungen, die auf parlamentarischen Anfragen und Branchenkenntnissen basieren. Allein die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft degewo verwaltete ursprünglich rund 17.000 unter Asbestverdacht stehende Wohnungen; per 31.12.2024 sind es noch 6.736 (Drs. 19/23 946). Pro betroffener Einheit sind durchschnittlich 500 Kilogramm asbesthaltiges Material verbaut.

Die Mieter werden nicht systematisch informiert — obwohl die degewo nachweislich seit 2000 über eine interne Erfassung ihrer asbestbelasteten Wohnungen verfügt (Kleine Anfrage 14/219) und das Landgericht Berlin (Az. 18 S 140/16) eine Informationspflicht des Vermieters festgestellt hat. In einem dokumentierten Einzelfall wurde einem betroffenen Mieter, der juristisch dagegen vorgehen wollte, die Prozesskostenhilfe verweigert. Die degewo hatte für das Verfahren die Strafverteidigungskanzlei Eisenberg König Schork Kempgens engagiert — spezialisiert auf Krisenkommunikation, nicht auf Mietrecht.

Ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren wegen §326 StGB (Offizialdelikt: unerlaubter Umgang mit gefährlichen Abfällen) wurde von der Staatsanwaltschaft Berlin eingestellt — mit der Begründung „kein öffentliches Interesse".

Die politischen Verflechtungen zwischen Berliner SPD und degewo-Führung erstrecken sich über drei Jahrzehnte. Der ehemalige SPD-Staatssekretär Frank Bielka leitete die degewo von 2003 bis 2014 und wechselte anschließend in die Geschäftsführung der degewo Nord. Der Vorstandsvorsitzende Thies-Martin Brandt war 2001 Ermittlungen wegen Parteispendenskandal ausgesetzt (Quelle: Tagesspiegel, 2001).

Zahlen und Fakten auf einen Blick

KennzahlWertQuelle
Asbestverdächtige Wohnungen in Berlinbis zu 500.000Schätzungen / parlamentarische Anfragen
Davon degewo (2018)17.000Interne Erfassung
Davon degewo (per 31.12.2024)6.736Drs. 19/23 946
Asbest pro Wohnung (Durchschnitt)500 kgDrs. 18/20 913, Frage 14
Gesamter degewo-Bestand~82.000 Wohnungendegewo-Geschäftsbericht
Anteil unter Asbestverdacht~20%Berechnung
Strafrechtliche Verurteilungen0StA Berlin, Az. 281 UJs 699/21
Mietminderung laut Rechtsprechungbis 100%AG Eutin, Juni 2018
Bielka als degewo-Vorstand2003–2014Öffentliche Quellen
Sanierungsbeginn Schlangenbader Str.Mai 2025 (gestartet)Pressemeldungen

7 Fragen, die Journalisten stellen sollten

Die degewo verfügt nachweislich seit 2000 über eine interne Erfassung ihrer asbestbelasteten Wohnungen (Kleine Anfrage 14/219: 14.400 Wohnungen). Das LG Berlin (18 S 140/16) hat eine Informationspflicht festgestellt. Es ist unklar, in wie vielen der per 2024 noch 6.736 (Drs. 19/23 946) betroffenen Wohnungen die Mieter tatsächlich informiert wurden. Die degewo hat dazu bisher keine transparenten Zahlen vorgelegt.

Die Kanzlei Eisenberg König Schork Kempgens ist spezialisiert auf schwere Strafsachen und Krisenkommunikation. Sie hat keine Mietrechtsabteilung. Die Beauftragung für ein PKH-Verfahren eines einzelnen Mieters wirft die Frage auf: Hat die degewo den Fall von Anfang an als strafrechtliches Risiko und Krise eingestuft?

§326 StGB (unerlaubter Umgang mit gefährlichen Abfällen) ist ein Offizialdelikt — die Staatsanwaltschaft muss von Amts wegen ermitteln. Die Einstellung mit „kein öffentliches Interesse" bei einem landeseigenen Unternehmen, das ursprünglich 17.000 Wohnungen mit bekannter Asbestbelastung verwaltete (per 2024 noch 6.736, Drs. 19/23 946), ist erklärungsbedürftig.

2023 veröffentlichte die degewo eine Menschenrechtserklärung mit Bekenntnis zum „Recht auf Gesundheit und angemessenes Wohnen". Gleichzeitig leben Tausende Mieter in asbestbelasteten Wohnungen ohne Information. Die Diskrepanz zwischen Selbstdarstellung und dokumentiertem Handeln bietet Ansätze für kritische Berichterstattung.

Bei 500.000 potenziell betroffenen Wohnungen und Sanierungskosten von geschätzt 10.000–50.000 Euro pro Einheit bewegen sich die Gesamtkosten im Milliarden-Bereich. Die Schlangenbader Straße (1.200 Wohnungen, Sanierungsbeginn Mai 2025) gibt einen ersten Anhaltspunkt für die tatsächlichen Kosten. Wie wird Berlin das finanzieren?

Im Jahr 2013 erklärte der Berliner Senat in einer parlamentarischen Anfrage, dass der verbaute Asbest in degewo-Wohnungen sich in einem „gebundenen" Zustand befinde und deshalb keine unmittelbare Gefahr darstelle. Die degewo verfügte zu diesem Zeitpunkt nachweislich bereits seit Jahren über eine interne Erfassung der betroffenen Wohnungen (Kleine Anfrage 14/219, Jahr 2000). Die Frage ist, auf welcher Grundlage die Senatsverwaltung ihre Entwarnung aussprach — und ob diese Einschätzung mit dem internen Kenntnisstand der degewo übereinstimmte.

Die Asbestbelastung in degewo-Wohnungen ist eine bilanzrelevante Verbindlichkeit. Wirtschaftsprüfer, die den Jahresabschluss testieren, müssen Rückstellungsrisiken für Sanierungskosten beurteilen — sie kennen also die finanzielle Dimension des Problems. Warum findet dieselbe Information, die Auditoren im Rahmen der Due-Diligence vorliegt, nicht ihren Weg zu den betroffenen Mietern? Das ist eine strukturelle Transparenzlücke, die über den Einzelfall hinausgeht. Mehr dazu: Was Wirtschaftsprüfer wissen — und was Mieter nicht erfahren →

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Alle Materialien für die Berichterstattung — frei verwendbar mit Quellenangabe „berliner-asbest-skandal.de".

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Die wichtigsten Zahlen, Akteure und offenen Fragen auf einen Blick. Nutzen Sie die obenstehende Executive Summary als Grundlage für Ihre Berichterstattung.

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