Primärquellen
Dokumentenarchiv
Alle relevanten Dokumente des Berliner Asbest-Skandals im Original — Gerichtsbeschlüsse, Gutachten, Schriftsätze, Einstellungsbescheide. Personenbezogene Daten geschwärzt.
Hinweis: Das Dokumentenarchiv befindet sich im Aufbau. Die Dokumente werden nach rechtlicher Prüfung und Schwärzung personenbezogener Daten sukzessive veröffentlicht.
Primärquellen
Originaldokumente aus dem Fall
Geschwärzte Originaldokumente aus dem Verfahren gegen die degewo. Personenbezogene Daten des Mieters wurden entfernt.
Transkript T2 — degewo-Gespräch: „Alle Schadstoffe der Welt“
Auf die Frage, auf welche Schadstoffe getestet wird, antwortet der degewo-Mitarbeiter: „Auf alle Schadstoffe die es gibt auf dieser Welt. Suchen Sie sich was aus.“ Asbest wird nicht erwähnt.
TranskriptTranskript T3 — degewo-Gespräch: „Mit Asbest?“
Der Mieter fragt direkt: „Mit Asbest?“ Der degewo-Mitarbeiter weicht aus: „Die Proben führt ein Labor durch, erst danach wissen wir mit was Ihr Fußboden belastet ist.“ Das Unternehmen wusste es — dokumentiert seit 2000. Wer es weiß, muss informieren (LG Berlin, 18 S 140/16).
PDFDOK-E1 — Offizielle degewo-Antwort, Oktober 2018
E-Mail der degewo Nord an den Mieter. Die degewo verharmlost die Gesundheitsgefahr und verweist darauf, dass sie „dem Wunsch eines ausziehenden Mieters nicht nachkommen“ müsse.
PDFKlageentwurf — AG Wedding, 20.02.2019
Klageentwurf der Kanzlei Zirngast an das Amtsgericht Wedding. Az. 14 C 250/19. Klage gegen die degewo Nord Wohnungsgesellschaft mbH wegen Asbestbelastung.
PDFSchriftsatz RA Zirngast — AG Wedding, 19.08.2019
Schriftsatz der Kanzlei Zirngast im Verfahren Az. 14 C 250/19 gegen die degewo Nord. Benennung der Zeugen und Gutachter.
PDFBeschwerde RA Zirngast — AG Wedding, 08.01.2020
Beschwerdeschrift der Kanzlei Zirngast gegen eine Entscheidung des AG Wedding. Az. 14 C 250/19.
FotodokumentationDOK-A400 — Fotodokumentation: Asbesthaltiger Schwarzkleber
22 Fotos (A400–A422) des asbesthaltigen Schwarzklebers im Bodenbelag, aufgenommen am 07.02.2012 in der Graunstraße 7, 13355 Berlin. (21 MB)
GutachtenDOK-G1 — Asbestgutachten ökoexpert
Schadstoffanalyse durch Dipl.-Chem. Michael Wachotsch (ökoexpert Berlin). Unabhängiges Gutachten, das die Asbestbelastung im Bodenbelag bestätigt.
PDFDOK-E — E-Mail Andreas Grübl (Abfallmanagement), Nov. 2018
E-Mail des beauftragten Schadstoff-Sachverständigen, der die Sanierungsbilder anfordert — Nachweis, dass die Asbestbelastung bei der Sanierung 2012 bekannt war.
Parlamentarische Anfragen
Schriftliche Anfragen & Drucksachen
Parlamentarische Anfragen im Berliner Abgeordnetenhaus zur Asbestproblematik.
Drucksache 19/23 946 — Schriftliche Anfrage Andreas Otto (Grüne)
Anfrage v. 22.09.2025, Antwort v. 09.10.2025. Aktuelle Zahlen per 31.12.2024: degewo 6.736, Gewobag 7.758, HOWOGE 6.678, Stadt und Land 2.869, WBM 2.334, berlinovo 2.778 betroffene Wohnungen. GESOBAU macht keine Angaben — obwohl sie im Jahr 2000 noch 12.700 Wohnungen unter Asbestverdacht meldete. 2024 wurden insgesamt 3.543 Wohnungen saniert.
DrucksacheDrucksache 18/21 259 — Schriftliche Anfrage 2019
Antwort Staatssekretär Sebastian Scheel, 30.10.2019. degewo: 15.978 Mieteinheiten unter Asbestverdacht. Bestätigung: Sanierung nur bei Mieterwechsel seit 2013.
DrucksacheKleine Anfrage 14/219 — Frank Bielka, 01.04.2000
Erste dokumentierte Bezifferung: 14.400 degewo-Wohnungen mit Asbest. Bielkas Antwort: „Da bei bestimmungsgemäßen Umgang keine Gefährdung besteht, erfolgt keine Mieterinformation.“
DrucksacheDrucksache 18/20 913 — „Asbest in Wedding I“ (Graunstr. 7)
Andreas Otto (Grüne), 23.09.2019. Direkt zur Graunstraße 7: degewo ohne Baudokumentation, 500 kg Asbestabfall pro Wohnung. Antwort StS Scheel bestätigt laufendes Gerichtsverfahren.
Zivilverfahren
AG Wedding — Az. 14 C 250/19
Dokumente aus dem Zivilverfahren gegen die degewo Nord Wohnungsgesellschaft mbH. Personenbezogene Daten des Mieters wurden geschwärzt.
Anlage B1 — Antrag auf Ausstattungsänderungen
Mieterantrag an die degewo: Badezimmer erneuern, Parkett „VERKLEBT“ verlegen. Die degewo genehmigt die Renovierung einer asbestbelasteten Wohnung — ohne Hinweis auf die Belastung.
PDFAnlage B2 — degewo-Vereinbarung bauliche Veränderungen
Offizielle Vereinbarung: Parkett „schwimmend, vorzugsweise unverleimt mit Klickverschluss auf vorhandenem Belag“. Der „vorhandene Belag“ ist asbesthaltig. Kein Wort darüber. Unterzeichnet unter dem Vorstand Frank Bielka.
PDFNachmietervereinbarung 2012
Vereinbarung zwischen ausziehenden und einziehenden Mietern. Wohnungs(vor)abnahme am 13.12.2011. Kein Hinweis auf Asbestbelastung bei der Wohnungsübergabe.
PDFVerfahrensbeginn AG Wedding, 12.04.2019
Mitteilung des Amtsgerichts Wedding über den Verfahrensbeginn im Az. 14 C 250/19. Der Antrag wird der Gegenseite zur Stellungnahme übersandt.
PDFdegewo-Stellungnahme — 3-Wochen-Frist
Stellungnahme der degewo-Anwältin zum Verfahren Az. 14 C 250/19. Enthält die Anlagen B1–B6: Renovierungsgenehmigung, Wohnungsübergabeprotokolle, Asbestinformationsschreiben.
PDFBeschluss AG Wedding, 20.12.2019
Gerichtsbeschluss im Verfahren Az. 14 C 250/19. Das Gericht verweist auf Prozesskostenhilfe-Voraussetzungen.
PDFBeschluss AG Wedding, 10.01.2020
Weiterer Beschluss im Verfahren Az. 14 C 250/19.
PDFBeschluss LG Berlin, 14.02.2020
Beschluss des Landgerichts Berlin im Beschwerdeverfahren. Az. 63 T 13/20.
GutachtenLaborbericht BL16143 — Competenza GmbH
Prüfbericht über anorganische Fasern gemäß VDI-Richtlinie 3866-5. Laborbestätigung der Asbestbelastung in der Graunstraße 7.
Strafverfahren
StA Berlin — Az. 281 UJs 699/21
Dokumente aus dem Ermittlungsverfahren wegen §326 StGB (unerlaubter Umgang mit gefährlichen Abfällen) und §229 StGB (fahrlässige Körperverletzung). Verfahren eingestellt: „kein öffentliches Interesse.“ Kanzlei-Aktenzeichen: 36/20 (RA Dr. Schüttpelz).
Strafverfahren 281 UJs 699/21 — Strafanzeige bis Einstellung
Vollständiger Verfahrensbogen: Strafanzeige RA Dr. Schüttpelz (18.05.2021) wegen §229 und §326 StGB — Eröffnung des Verfahrens durch StA Falkenstein (03.06.2021) — Ermittlungsvermerk (08.10.2021) — Einstellungsbescheid §170 Abs. 2 StPO (18.11.2021): „kein öffentliches Interesse.“
PDFLKA Berlin — Vernehmungstermin und Nachfragen
Schreiben des Landeskriminalamts Berlin zum Vernehmungstermin im Ermittlungsverfahren Az. 281 UJs 699/21.
Referenzurteile
Referenzurteile und Regelwerke
LG Berlin, Az. 66 S 212/18 — Volltext (10 Seiten)
Leiturteil: 20% Mietminderung bei Asbestfreisetzungsgefahr. Raumluftmessungen nicht aussagekräftig. Vermieter zur Beseitigung asbesthaltiger Baustoffe verurteilt. Kottbusser Damm 2, 10967 Berlin.
UrteilLG Berlin, Az. 18 S 140/16
Informationspflicht: Vermieter, die von Asbest wissen, müssen ihre Mieter informieren — auch wenn die Materialien als intakt eingestuft werden. Zentrale Grundlage für die Bewertung der degewo-Praxis.
UrteilAG Eutin, Juni 2018
100 % Mietminderung bei Asbestbelastung — bundesweiter Maßstab für die Bewertung asbesthaltiger Bodenbeläge in Mietwohnungen.
EU-RichtlinieEU-Richtlinie 1999/77/EG
Kein sicherer Schwellenwert für Chrysotilasbest. Vollständiges Verbot seit 2005. Grundlage für die Einschätzung, dass jede Faserfreisetzung ein Gesundheitsrisiko darstellt.
NovelleGefStoffV-Novelle, Dezember 2024
Erkundungspflicht für Bauunternehmen vor Arbeiten an Gebäuden. Gebäudeeigentümer müssen nicht von sich aus prüfen, ob Asbest vorhanden ist. Die zivilrechtliche Informationspflicht (LG Berlin, 18 S 140/16) bleibt davon unberührt.
Unternehmensberichte
Geschäftsberichte und Prüfdokumente
Offizielle Unternehmensberichte, in denen Asbest als Risiko benannt wird.
PwC-Konzernabschlussprüfung degewo 2017
Geprüfter Konzernlagebericht der degewo AG. Der Vorstand identifiziert „Objektrisiken aus dem Umgang mit asbesthaltigen Boden- und Wandbelägen“ als wesentliches Risiko — mehr als 5.000 Fälle bereits beseitigt. Schlüsselstelle: S. 12.
Deutsche Wohnen AG — Börsenprospekt 2011
Prospekt für die Frankfurter Wertpapierbörse. Asbest wird als Investorenrisiko benannt (S. 56), ein ganzer Abschnitt beschreibt die rechtlichen Folgen von Asbestkontamination inkl. Mietminderungsrecht (S. 170–171). Quelle: Deutsche Wohnen AG, Wertpapierprospekt, Oktober 2011.
Website & Kommunikation
degewo-Website, E-Mails & öffentliche Erklärungen
Belege für die systematisch unterlassene öffentliche Information über Asbest — auf der eigenen Website, in der direkten Kommunikation mit Mietern und in öffentlichen Grundsatzerklärungen.
degewo.de — Suche „Asbest“, 07.11.2018
Screenshot der degewo-Suchfunktion: Der Begriff „Asbest“ liefert null Ergebnisse. Zu diesem Zeitpunkt standen rund 17.000 Wohnungen unter Asbestverdacht. Kein einziger öffentlicher Hinweis auf der Website.
Wayback Machinedegewo.de/wohngesundheit — Erster Snapshot: 14.05.2020
Laut Internet Archive existierte die Seite „Wohngesundheit“ — heute die zentrale Asbest-Informationsseite der degewo — erst ab dem 14. Mai 2020. Zwischen dem Asbestverbot 1993 und Mai 2020: 27 Jahre ohne öffentliche Asbest-Information auf der Unternehmenswebsite.
Externdegewo — Grundsatzerklärung Menschenrechte, Juni 2023
Die degewo bekennt sich zum „Recht auf Gesundheit und angemessenes Wohnen“. Die Erklärung entstand als Pflicht des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes (LkSG). Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung standen Tausende Wohnungen auf der internen Asbesterfassung.
Hinweis zur Veröffentlichung
Alle veröffentlichten Dokumente sind auf personenbezogene Daten geprüft und gegebenenfalls geschwärzt. Die Dokumente dienen der öffentlichen Aufklärung und werden im Rahmen des berechtigten Informationsinteresses bereitgestellt. Sollten Sie Fragen zur Veröffentlichung haben, kontaktieren Sie uns.
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