Fallbeispiele

Fallbeispiele & Presseberichte

Drei dokumentierte Fälle aus degewo-Wohnungen. Drei Mal dasselbe Muster: keine Information, keine Warnung, kein Schutz.

Graunstraße 7, Berlin-Mitte (2012)

Der am umfassendsten dokumentierte Einzelfall des Berliner Asbest-Skandals. Er durchlief alle Stationen: Nicht-Information, Renovierungsgenehmigung für eine von der degewo selbst errichtete Asbestwohnung, Gutachten, Strafanzeige, Einstellung durch die Staatsanwaltschaft, PKH-Ablehnung.

2012: Einzug ohne Information

Ein Mieter zieht in eine Wohnung der degewo ein. Die Wohnung ist in der internen Erfassung der degewo als asbestbelastet verzeichnet — eine Erfassung, die nachweislich seit 2000 existiert (Kleine Anfrage 14/219). Bei Einzug wird er nicht über die Asbestgefahr informiert.

2012: Ein öffentliches Wohnungsunternehmen erteilt eine Renovierungsgenehmigung für eine asbestbelastete Mietwohnung

Der Mieter spricht persönlich bei der degewo vor. Er erklärt, dass er den Boden aufwerten will — Bambusparkett verkleben. Verkleben ist in Mietwohnungen üblicherweise nicht erlaubt, das weiß er und spricht es offen an. Die degewo-Mitarbeiterin gibt eine mündliche Erlaubnis: Wenn die Wohnung aufgewertet werde und der Nachmieter einverstanden sei, sei es kein Problem. Zusätzlich erteilt die degewo eine schriftliche Genehmigung. Das Dokument listet auf, welche Materialien „nicht beschädigt werden dürfen" und dass der Mieter den Bauschutt selbst zu entsorgen hat. Asbest wird nie erwähnt — obwohl die degewo weiß, worauf sich die Warnung bezieht.

2012: Die schrittweise Eskalation

Die Fräsarbeiten waren nie geplant. Die Renovierung eskalierte schrittweise, weil sich unter jedem Belag ein neues Problem zeigte: Unter dem Laminat kamen unerwartet Vinyl-Fliesen (Floor-Flex) zum Vorschein — brüchig, teilweise bereits gebrochen. Die Mieter entfernen sie per Hand und fahren sie im eigenen PKW zu einem Berliner Wertstoffhof. Dort werden sie als gewöhnlicher Bauschutt entsorgt. Den darunter liegenden Schwarzkleber tragen sie händisch mit einem Spachtel ab, so gut es geht.

Für den Rest wird eine Betonfräse eingesetzt. Während in einem Raum gefräst wird, arbeiten der Mieter und seine Frau in den Nebenräumen weiter — in derselben Wohnung, in derselben Luft. Die Fräsarbeiten setzen laut Fachliteratur rund 1,2 bis 1,5 Millionen Asbestfasern pro Kubikmeter Raumluft frei. Festgebundener Asbest wird zu schwach gebundenem Asbest. Der schlimmstmögliche Fall.

Danach beginnt die Reinigung — mit bloßen Händen, ohne Atemschutz, ohne Schutzanzug. Die Belastung ist in den ersten Tagen am höchsten. Aber der Staub verschwindet nicht auf einmal. Woche für Woche wird gewischt, jede Woche etwas weniger — und jede Woche erneute Exposition.

Zwei Räume, von den Mietern selbst asbestsaniert — ohne es zu wissen. Keine Fachfirma, keine Absauganlage, keine Freimessung. Die einzige Stelle, die hätte warnen können, war die degewo.

Kein degewo-Mitarbeiter hat das Wort „Asbest" je ausgesprochen

Herbst 2018. Der Mieter will ausziehen und einen Nachmieter stellen — so wie es beim Einzug mit der degewo besprochen war. Dann kommt eine E-Mail: Die Nachmieterregelung sei nicht möglich, die Wohnung sei „schadstoffbelastet". Das Wort Asbest fällt nicht.

Der Mieter ruft mehrfach bei der degewo an. Ein Mitarbeiter sagt:

„Das wissen wir ja nicht, das muss ja erst geprüft werden."

Auf die direkte Nachfrage, welche Schadstoffe gemeint seien:

„Auf alle möglichen. Auf alle Schadstoffe dieser Welt."

Derselbe Mitarbeiter erklärt weiter:

„Im besten Fall verläuft die Beprobung negativ und dann wird die Wohnung wieder hergerichtet und in die Vermietung gegeben. Und im anderen, im schlimmeren Fall, wird die Wohnung komplett saniert. Und das kann bis zu einem Jahr dauern."

Die degewo wusste intern seit dem Jahr 2000, dass Tausende ihrer Wohnungen mit Asbest belastet sind. Kein degewo-Mitarbeiter hat das Wort gegenüber dem Mieter je in den Mund genommen. Nicht in E-Mails, nicht am Telefon, nicht im persönlichen Gespräch.

Ohne Druck passiert nichts

Die degewo reagiert auf Anfragen des Mieters nicht oder ausweichend. Der Mieter recherchiert selbst. Über den Mieterschutzbund lässt er die degewo anwaltlich auffordern, die Asbestbelastung innerhalb von zehn Tagen zu bestätigen. Erst dann bewegt sich etwas: Die degewo beauftragt einen Gutachter zur Probeentnahme.

degewo-Gutachter bei der Beprobung: „Das ist schon sehr fahrlässig"

Die degewo beauftragt einen Sachverständigen zur Probeentnahme. Direkt bei der Beprobung in der Wohnung erfährt der Mieter vom Gutachter: Er war bereits beim Nachbarn — auch dort Asbest. Es komme „ganz oft" vor, dass Mieter die Böden unwissentlich selbst saniert hätten. Auf die Frage, warum die degewo nicht informiert hat, antwortet der Gutachter:

„Also informieren hätten sie auf jeden Fall gemusst. Also die Hauswarte wusste, dass sie hier sanieren wollen. Und die sagen ihnen nicht passend auf, der Boden ist noch festbelastet. Also das ist schon sehr fahrlässig."

Im selben Gespräch stellt sich heraus: Ein Nachbar im gleichen Haus hatte bereits zehn Jahre zuvor eine Mitteilung über den asbesthaltigen Bodenbelag erhalten. Der Mieter selbst — Neumieter seit Februar 2012 — nie. Keine systematische Information, sondern selektive Einzelmitteilungen ohne Gesundheitswarnung.

Alle untersuchten Wohnungen in der Graunstraße 7 sind belastet

Gutachter Herr W. untersucht weitere Wohnungen in der Graunstraße 7. Ergebnis: In allen untersuchten Wohnungen wurde Asbest nachgewiesen. Kein Zufall. Ein Muster.

„Die landeseigenen Wohnungsgesellschaften (degewo inklusive) sind ihm zufolge sehr wohl informiert und wüssten, wo asbesthaltige Fußböden verbaut sind"
ARD Kontraste: Der degewo-Pressesprecher vor laufender Kamera

Im Januar 2020 berichtet das ARD-Magazin Kontraste über den Fall. Der degewo-Pressesprecher erklärt vor laufender Kamera, Mieter nicht über Asbest zu informieren sei „eine Frage der Balance" — und er finde es „ausreichend", ihnen nur zu sagen, sie sollen den Fußboden in Ruhe lassen. Faktencheck: Behauptung 13

Quelle — Audioaufnahmen vor Ort (degewo-Wohnung Graunstraße 7); Gerichtsakten AG Wedding, Az. 14 C 250/19; Tagesspiegel Leute: „Asbest im Brunnenviertel"; ARD Kontraste, 16.01.2020

Detaillierte juristische Analyse dieses Falls →

Stettiner Straße 21, Berlin-Gesundbrunnen (2013–2020)

7 Jahre Dauersanierung, 16 Mietparteien betroffen. Asbestrohre ohne Schutz entfernt. Keine Ersatzwohnungen. Die Mieter nannten es „die Hölle".

2013: Beginn der Dauersanierung

Die BZ Berlin berichtet über den Zustand der Stettiner Straße 21 in Gesundbrunnen. 16 Mietparteien sind betroffen — die Sanierung sollte Monate dauern, zieht sich am Ende über sieben Jahre.

„Staub, Lärm und Dreck: Die Sanierung der Stettiner Straße 21 in Gesundbrunnen bringt die Mieter an den Rand der Verzweiflung."
Asbestrohre werden entfernt — ohne Schutz

Bei der Strangsanierung werden Asbestrohre entfernt. Mieter berichten:

„Es gab keinen Schutz, weder für die Arbeiter noch für uns"
degewo behauptet: „Ordentlich"

Auf die Vorwürfe antwortet die degewo, das Vorgehen bei den Asbestrohren sei „als ordentlich eingestuft" worden. Für die betroffenen Mieter ein Hohn.

Keine Ersatzwohnungen — 7 Jahre lang

Während der gesamten siebenjährigen Bauzeit stellt die degewo keine Ersatzwohnungen zur Verfügung. Die Mieter leben inmitten der Sanierungsarbeiten — mit Staub, Lärm und eingeschränkter Nutzbarkeit ihrer Wohnungen. Auf Nachfrage heißt es lediglich:

„Ersatzwohnungen gab es für die Mieter während der gesamten Bauzeit nicht."
Alltag im Dauerbau: „Es ist die Hölle"

Mieter berichten über den Alltag zwischen offenen Baustellen, Staub und gesundheitlichen Beschwerden. Die Belastung ist nicht nur psychisch — sie zeigt sich auch körperlich:

„Täglich muss ich die Bettwäsche wechseln. Es ist die Hölle."
„Probleme machte auch der Staub: Wir hatten Nasenbluten"
Minimale Mietminderung

Die degewo gewährt Mietminderungen von 20–50% — aber nur für etwa zwei Monate. Nicht für die sieben Jahre der Beeinträchtigung.

Ein politisches Netzwerk

Sebastian Scheel saß im degewo-Aufsichtsrat, Frank Bielka war bis 2014 degewo-Vorstand — beide trugen während dieser Sanierungszustände Verantwortung.

Quelle — BZ Berlin, 30.12.2020

Schlangenbader Straße, Berlin-Wilmersdorf (2015–2023)

„Es sieht so aus, als ob die Wahrheit scheibchenweise rauskommt" — Carola S. zog 2015 ein, wurde nie informiert. 2023 fanden sich neue Asbestbelastungen in Decken und Wänden.

2015: Einzug ohne Information

Carola S. zieht 2015 in eine Wohnung in der Schlangenbader Straße. Zu diesem Zeitpunkt weiß die degewo bereits seit Jahren, dass der Gebäudekomplex asbestbelastet ist — eine Information aus 2013 existiert, wird ihr aber nie weitergeleitet.

„Beim Einzug hat mich niemand darüber informiert, dass meine Wohnung möglicherweise asbestbelastet ist."
November 2016: Erste Benachrichtigung — mit Lücke

Die degewo verweist auf eine Information aus 2013. Das Problem: Carola S. ist erst 2015 eingezogen:

„Jedoch habe ich 2013 noch gar nicht in der Schlangenbader Straße gewohnt"
2023: Neue Asbestfunde — im Jahr 2023

Acht Jahre nach Einzug findet die degewo neue Asbestbelastungen in Decken und Wänden:

„Das bereitet mir große Sorgen, da ich während der Einrichtung meiner Wohnung zahlreiche Löcher in die Decke gebohrt habe"
Ungewissheit über die Exposition

Erst acht Jahre nach Einzug erfährt Carola S. von neuen Asbestfunden in Decken und Wänden — Material, in das sie während der Einrichtung Löcher gebohrt hat. Eine nachträgliche Risikoeinschätzung ist kaum möglich.

„Ich weiß nicht, wie viel Asbeststaub ich möglicherweise eingeatmet habe."
Baustaub im Flur — ohne Warnung

Während der Sanierungsarbeiten im Gebäudekomplex liegt Baustaub tagelang auf den Gemeinschaftsflächen. Die Mieter tragen ihn unwissentlich in ihre Wohnungen. Ob dieser Staub asbestbelastet war, wird nie untersucht.

„Der Baustaub lag tagelang auf dem Flur. Wir Mieter haben ihn von dort in unsere Wohnungen getragen"
Forderung: Asbestkataster für Berlin

Der AMV zieht die politische Konsequenz: Es braucht ein öffentliches, verpflichtendes Asbestkataster für Berlin — damit nicht jede Miete eine Lotterie ist.

2025/2026: Pilotsanierung läuft — geschätzte Gesamtdauer: 12 Jahre

Im Mai 2025 startete die Pilotsanierung im Abschnitt Wiesbadener Straße 59 A–C. Ein Block steht seit Mai 2025 leer; neben energetischer Sanierung (Fassade, Fenster, Stränge) werden auch Schadstoffe entfernt. Die Mieterrückkehr für diesen ersten Block ist noch 2026 geplant (Quelle: degewo Pressemitteilung, Mai 2025). Gesamtprojekt für alle 470 Wohnungen: geschätzte 12 Jahre. Ein konkreter Zeitplan für die restlichen Blöcke existiert öffentlich nicht. Bei der Vorbereitung wurden erneut asbesthaltige Fugenmassen gefunden. Die degewo-Tochter dTD hat inzwischen die Vollzulassung für Abbruch- und Sanierungsarbeiten inklusive schwach gebundenem Asbest.

QuelleTagesspiegel Leute: „Angst vor Asbest in der Schlangenbader Straße"; Berliner Zeitung — 470 asbestverseuchte degewo-Wohnungen

Das Muster

Graunstraße 7, Stettiner Straße 21, Schlangenbader Straße — drei Orte, drei Schicksale. Und doch läuft das Skript immer wieder gleich ab.

Schritt 1

Keine Information bei Einzug

Mieter werden systematisch nicht informiert — obwohl die degewo seit 2000 nachweislich weiß, welche Wohnungen betroffen sind.

Schritt 2

Renovierung einer Asbestwohnung genehmigt

Die degewo genehmigt Arbeiten in einer ihr bekannten Asbestwohnung.

Schritt 3

Verzögerte Reaktion

Erst wenn es externen Druck gibt — Mieterschutzbund, Medien, Anwälte — bewegt sich etwas.

Schritt 4

Juristische Verteidigung statt Entschädigung

Statt Verantwortung zu übernehmen, beauftragt die degewo Strafverteidigungskanzleien und bestreitet die Sachverhalte.

Es ist nicht das Verhalten von drei zufälligen Fällen. Es ist das Verhalten eines Systems.

Übersicht der drei dokumentierten Fälle

Adresse Zeitraum Kernproblem Konsequenzen für degewo
Graunstraße 7, Mitte 2012–heute Renovierungsgenehmigung für asbestbelastete Wohnung erteilt. Asbestfasern freigesetzt. Gutachter: „sehr fahrlässig" Strafanzeige → eingestellt. PKH abgelehnt. Kein Schadenersatz.
Stettiner Str. 21, Gesundbrunnen 2013–2020 7 Jahre Dauersanierung. Asbestrohre ohne Schutz entfernt. 16 Mietparteien. Keine Ersatzwohnungen. Minimale Mietminderung (2 Monate). Keine weiteren Konsequenzen.
Schlangenbader Str., Wilmersdorf 2015–heute Einzug ohne Information. 2023: neue Asbestfunde in Decken/Wänden. Pilotsanierung seit 2025. Sanierung begonnen — geschätzte Dauer: 12 Jahre.

Kein Einzelfall — bestätigt durch degewos eigenen Gutachter

Im dokumentierten Fall der Graunstraße 7 berichtete der von der degewo bestellte Gutachter (Herr G.), dass schon viele Mieter die Asbestböden selber renoviert haben, ohne sich der Gefahr bewusst zu sein. Allein in der Graunstraße 7 wurden laut ihm bereits mehrere Wohneinheiten auf Asbest untersucht — und in allen Fällen wurde Asbest in den Böden nachgewiesen. Er bezeichnete das als „sehr fahrlässig".

Ein weiterer Sachverständiger (Herr W.), der schon vor dem Asbestverbot 1993 Proben durchgeführt hatte, bestätigte: Die landeseigenen Wohnungsgesellschaften — degewo inklusive — seien „sehr wohl informiert" und wüssten, wo asbesthaltige Fußböden verbaut sind.

Quelle — Audioaufnahmen vor Ort (degewo-Gutachter und Sachverständige zur Asbestbelastung)

Das berlinweite Problem

Die drei Fälle oben sind keine Ausreißer. Hinter ihnen steht ein systemisches Problem, das ganz Berlin betrifft — dokumentiert durch Gerichtsurteile, parlamentarische Anfragen und investigative Medienberichte.

Gerichtsurteil

Mieterin seit 1980 — Platten zerkleinert

Eine degewo-Mieterin zerkleinerte unwissentlich asbesthaltige Floorflex-Platten bei einer Renovierung. Das Berliner Landgericht urteilte am 17. Januar 2018: Die degewo hätte spätestens seit 1993 über die Asbestgefahr informieren müssen. Nicht-Information ist eine Verletzung der Sorgfaltspflicht.

QuelleBerliner Zeitung → · Rechtsprechung →

Schöneberg 2021

Günstig und giftig — befristete Asbestwohnungen

2021, 28 Jahre nach dem Asbestverbot, informiert die degewo erstmals Neumieter — aber nur in Schöneberg und nur bei befristeten Verträgen. Bestandsmieter, die seit Jahrzehnten in denselben Wohnungen leben, erhalten keine vergleichbare Information.

QuelleTagesspiegel → · Chronologie →

Gewobag / Spandau

Heerstraße Staaken — 3.350 ADO-Wohnungen gekauft

2019 kauft die Gewobag rund 3.350 Wohnungen in Staaken von ADO Properties. Der Asbestverdacht bestätigt sich. Sanierung? Nur bei Mieterwechsel. Ende 2022 zählt Spandau 9.609 belastete Objekte — und war der erste Bezirk, der eine Asbestsanierung vom Senat forderte.

Quelletaz → · Berliner Woche →

Reinickendorf

Schluchseestraße — 2.500 Wohnungen unter Verdacht

Ehemalige GSW-Wohnungen rund um die Schluchseestraße in Reinickendorf: 2.500 Wohnungen, nun im Gewobag-Bestand, stehen unter Asbestverdacht. Gewobag: berlinweit 7.758 betroffene Wohnungen per 31.12.2024 (Drs. 19/23 946; zuvor wurden bis zu 20.000 geschätzt). Sanierung auch hier nur bei Mieterwechsel.

QuelleBerliner Woche → · Tagesspiegel Leute →

Die Dimension

Laut der Schriftlichen Anfrage Drs. 19/23 946 (Stand 31.12.2024) haben allein die landeseigenen Wohnungsunternehmen mindestens 29.153 Wohnungen mit bestätigtem oder vermutetem Asbestverdacht im Bestand. degewo: 6.736 (von ursprünglich 16.277 Wohneinheiten im Jahr 2018). Gewobag: 7.758. HOWOGE: 6.678. Stadt und Land: 2.869. WBM: 2.334. berlinovo: 2.778.

Die GESOBAU-Lücke: Die GESOBAU hat die Anfrage nicht beantwortet. Schätzungen gehen von bis zu 15.631 weiteren Wohnungen aus. Die tatsächliche Zahl der landeseigenen Asbestwohnungen könnte damit bei über 44.000 liegen.

Hinzu kommen private Vermieter: Schätzungen zufolge sind in Berlin insgesamt bis zu 500.000 Wohnungen aus der Bauperiode der 1960er- bis 1980er-Jahre potenziell betroffen (Schätzung Grüne). Bei der Rekommunalisierung wurden tausende weitere Wohnungen mit bekanntem Asbestverdacht erworben — wissentlich, ohne Sanierungsplan.

Drei Fälle. Ein Muster. Die Startseite zeigt, wie das System dahinter funktioniert.

GefStoffV-Novelle — Dezember 2025

Am 20. Dezember 2025 trat die novellierte Gefahrstoffverordnung in Kraft — Umsetzung der EU-Asbestrichtlinie 2023/2668. Wesentliche Änderungen: Auch Arbeiten unter 10.000 Fasern/m³ sind jetzt genehmigungspflichtig. Übergangsfrist: bis 19.12.2026. Alle Asbestarbeiter müssen bis spätestens 5. Dezember 2027 eine Fachqualifikation nachweisen. Dokumentationspflichten wurden verschärft — namentliche Erfassung aller beteiligten Arbeiter, Nachweise über arbeitsmedizinische Vorsorge.

Die Novelle behebt jedoch nicht den Kernfehler: Deutschland hat weiterhin keine Erkundungspflicht für Gebäudeeigentümer. Wer nicht sucht, findet nichts — und muss nichts sanieren.

In der Presse

Ausgewählte Medienberichte zum Thema Asbest in Berliner Wohnungen — für weiterführende Recherche.

Berliner Zeitung Berliner Zeitung Berliner Zeitung Berliner Zeitung Tagesspiegel taz Berliner Zeitung Berliner Zeitung ARD Parlament Berliner Kurier Berliner Zeitung Berliner Asbest-Skandal

Erkennen Sie sich wieder?

Falls Sie in einer degewo-Wohnung oder einer anderen landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft wohnen, könnten Sie betroffen sein.